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Glitzer, Groove und Gänsehaut

Die munich blue notes feiern mit „beat it!“ ein mitreißendes Jahreskonzert

Mit rhythmischer Präzision und spürbarer Spielfreude haben die munich blue notes im Gasteig HP8 ihr Publikum auf eine musikalische Reise quer durch Pop, Jazz und Funk mitgenommen. Das Jahreskonzert „beat it! – a cappella & drums“ zeigte eindrucksvoll, wie vielseitig, modern und publikumsnah Chormusik heute sein kann.

Schon der Auftakt hatte Signalwirkung: Mit weißen Glitzerhandschuhen betraten die munich blue notes die Bühne – und machten vom ersten Moment an klar, dass dieser Abend nicht auf konventionelle Chorroutine setzen würde. Stattdessen präsentierte das Ensemble ein Programm voller Kontraste, Überraschungsmomenten und stilistischer Sprünge, das dennoch stets wie aus einem Guss wirkte.

Zu den ersten Höhepunkten des Abends gehörte „Billie Beat the Thrillie“, ein Mashup bekannter Michael-Jackson-Hits im Arrangement von Florian Wagner. Typisch Wagner: viel musikalischer Schalk, überraschende Wendungen, pointierte Umdeutungen und ein feines Gespür für Timing. Dass der preisgekrönte Musikkabarettist selbst im Publikum saß, verlieh dem Moment eine besondere Note. Sichtlich erfreut verfolgte er, wie souverän und spielfreudig das Ensemble seine Arrangements auf die Bühne brachte.

Gerade diese Mischung aus musikalischem Anspruch und augenzwinkernder Leichtigkeit prägte den gesamten Abend. Die munich blue notes meisterten die stilistischen Wechsel mit bemerkenswerter Souveränität: Vom vokalen Drive eines „By the Way“ der Red Hot Chili Peppers führte das Programm unmittelbar in die verträumte, warme Atmosphäre von „In My Life“ der Beatles. Was auf dem Papier wie ein gewagter Bruch erscheinen mag, wirkte live erstaunlich organisch – auch, weil der Chor es verstand, nicht nur Töne, sondern Stimmungen zu transportieren. Das Publikum war ab dem ersten Ton hörbar dabei und ließ sich bereitwillig auf diese Reise ein.

Ein wesentlicher Teil des Konzertkonzepts war der gezielte Einsatz von Schlagzeug. Für das Groove-Fundament sorgte Andreas Kutschera an den Drums. Die perkussive Ergänzung verlieh einer klugen Auswahl an Songs zusätzlichen Druck, Energie und Bühnenpräsenz, ohne den transparenten Chorklang zu überdecken. So entstand genau jene Spannung, die das Konzertmotto „a cappella & drums“ versprach: mal kraftvoll nach vorn gehend, mal zurückgenommen, atmosphärisch und fein austariert.

Überhaupt war dieser Abend reich an klanglichen Details. Die munich blue notes beließen es nicht beim klassischen Chorsound, sondern erweiterten ihr Repertoire um eine ganze Palette vokaler Effekte. Da hupte plötzlich ein Auto durch den Saal, anderswo ertönte ein Trompete zu kubanische Rhythmen und auch eine Bayerische Blaskapelle schien sich in den Saal geschlichen zu haben – alles ausschließlich mit Stimmen, Mundgeräuschen und präzise gesetzten Effekten erzeugt.

Auch innerhalb des Ensembles wurden unterschiedliche Akzente gesetzt. Die Frauen präsentierten mit „Royals“ ein reines Frauenarrangement, das pointiert mit Statussymbolen und Wohlstandsposen spielte und dabei zugleich cool, rhythmisch präzise und selbstbewusst wirkte. Die Männer wiederum bewiesen mit „Goodbye, my Coney Island Baby“ viel Humor und Sinn für szenische Zuspitzung: eine charmant inszenierte musikalische Lektion darüber, wie man einen Urlaubsflirt beginnt – und möglichst elegant wieder beendet.

Dass die munich blue notes aber nicht nur Witz und Groove beherrschen, sondern auch musikalische Tiefe und stilistische Raffinesse, wurde an mehreren Stellen des Programms deutlich. „Birdland“ beeindruckte mit rhythmischer Komplexität und jener pulsierenden Präzision, bei der sich ein Arrangement regelrecht einrastet. Auch „Take Five“ verlangte Chor und Publikum einiges ab – nicht zuletzt wegen seines charakteristischen Fünfvierteltakts. Umso stärker wirkte die Leichtigkeit, mit der die Sängerinnen und Sänger dieses rhythmisch anspruchsvolle Stück präsentierten. Bemerkenswert dabei: Das Arrangement stammt aus den eigenen Reihen, von Tenor Alhard v. Nordenskjöld – ein weiteres Zeichen für die musikalische Eigenständigkeit des Ensembles.

Zu den emotionalen Momenten des Abends zählten „Kiss from a Rose“ und die zart ausgeformten ruhigeren Passagen des Programms, während Stücke wie „Augenbling“ mit Glanz, Witz und rhythmischem Nachdruck sofort zündeten. Besonders charmant geriet auch „Gloana Bauer“ – ein augenzwinkernder „Integrationssong“ für alle, die des Bayerischen mächtig sind oder es spätestens jetzt werden wollten. Mit vokalen Brass-Elementen, viel Spielfreude und hörbarem Spaß an der Sache entwickelte sich das Stück zu einem jener Momente, in denen sich der besondere Charakter der munich blue notes verdichtet: musikalisch ambitioniert, aber nie verkopft; überraschend, aber immer zugänglich.

Selbst spontane Zwischenfälle verwandelte das Ensemble in Bühnenmagie. Als sich zwischen zwei Songs ein Luftballon verselbstständigte, wurde er kurzerhand in die Choreographie des NDW-Medleys eingebaut – ein kleiner improvisierter Moment, der beim Publikum ebenso gut ankam wie die perfekt einstudierten Passagen. Solche Augenblicke zeigten, wie lebendig und präsent dieser Chor auf der Bühne agiert.

Auch der klassische Klangraum fehlte an diesem Abend nicht. Mit Mendelssohn Bartholdys „O Täler weit“ bewiesen die munich blue notes, dass sie durchaus auch romantisch und klangschön „klassisch“ können – nur um sich im nächsten Moment in einer jazzig zugespitzten Version desselben Materials wieder hörbar auszutoben. Gerade diese Lust am stilistischen Spiel machte den Reiz des Programms aus.

Großen Anteil am Erfolg des Abends hatte Chorleiter Danny Shelton, der den Chor mit sicherem rhythmischen Gespür für Pop- und Jazzidiom durch das vielseitige Programm führte. Als humorvolles Dankeschön erhielt er am Ende eine munich-blue-notes-blaue Winkekatze – ein perfektes Bild für einen Abend, der auf hohem musikalischem Niveau nie den eigenen Charme verlor.

Das Finale geriet entsprechend mitreißend: Mit „Uptown Funk“ brachte das Ensemble noch einmal den ganzen Saal in Bewegung, bevor es nach lang anhaltendem Applaus gleich zum zweiten Mal zurück auf die Bühne – beziehungsweise direkt in den Saal – geholt wurde. Für die zweite Zugabe verzichteten die Sängerinnen und Sänger sogar auf jede Verstärkung und traten ganz nah vors Publikum: „May it be“ erklang zart, intensiv und voller Gefühl. Ein leiser, berührender Ausklang, der dem Abend eine beinahe intime Schlussnote verlieh.

Und selbst beim Hinausgehen blieb der Charme des Konzerts erhalten: Kleine Präsente wie „Bohemian Rhapsotea“ und Kornblumensamen unter dem Titel „munich blüh notes“ sorgten für ein augenzwinkerndes Nachspiel. Das Publikum verließ den Saal beschwingt, begeistert – und mit Ohrwürmern. „You have rhythm!“, war ebenso zu hören wie die scherzhafte Frage: „Und wie krieg ich meinen Ohrwurm wieder los?“ Die naheliegende Antwort: am besten gar nicht – oder beim nächsten Konzert gleich durch neue ersetzen.

Ausblick: Nächstes Konzert am 16. Juli im Lustspielhaus

Wer die munich blue notes live erleben möchte, hat dazu schon bald wieder Gelegenheit: 

Am Donnerstag, 16. Juli, um 20 Uhr ist das Ensemble im Lustspielhaus München zu hören – bei einem Doppelkonzert mit der preisgekrönten A-cappella-Formation anders aus Freiburg.

Tickets gibt es bei München Ticket und den bekannten Vorverkaufsstellen.

Verstärkung gesucht: Tenor und Mezzosopran

Die munich blue notes suchen derzeit außerdem einen Tenor und einen Mezzosopran zur Verstärkung. Wer Lust bekommen hat, selbst hochwertige A-cappella-Musik zu singen, zu grooven und Teil eines ambitionierten, jungen Ensembles zu werden, kann sich per E-Mail an info@munichbluenotes.de melden.